Unter die Haut

Hattingen, 11.08.2010, Nina Estermann

Chris Rihm, Besitzer des Piercing - und Tätowierungsstudios Native Rituals in Hattingen, beobachtet wie Elisa Röwer den Fuß einer Kundin mit einem neuen Tatoo versieht.

Chris Rihm, Besitzer des Piercing – und Tätowierungsstudios Native Rituals in Hattingen, beobachtet wie Elisa Röwer den Fuß einer Kundin mit einem neuen Tatoo versieht.

Hattingen. Chris Rihm ist Besitzer eines Tattoo- und Piercing-Studios in der Hattinger Altstadt.

Autsch! Und nochmal Autsch. Wenn Chris Rihm an die Arbeit geht, dann tut es weh. Darüber gibt es keine Diskussion. Aber anders als beim Zahnarzt, wo die Menschen vor Angst bibbern, suchen Rihms Kunden den Schmerz – oder akzeptieren ihn zumindest.

Chris’ Arbeit geht unter die Haut. Seit drei Jahren betreibt er sein Tattoo- und Piercing-Studio an der Kleinen Weil­straße. Dass er selbst keine Angst vor Schmerzen hat, ist offensichtlich. Beide Arme sind tätowiert, sogar der Hals, und auch den restlichen Körper zieren meist schwarz-schattierte Bilder.

Sein Arbeitsplatz ist ein freundlicher Ort. Die Räume in einem alten Fachwerkhaus sind offen gehalten, die Farben hell. „Die Leute sollen auch sehen können, was passiert“, sagt der 34-Jährige. Mit dem Klischee der schummrigen Spelunke hat das „Native Rituals“ nichts gemein. „Ich mochte dieses Flair selbst auch nie – da sitzt dann so ein langhaariger Rocker hinter der Theke, mit der Kippe im Mund, und motzt erstmal“, sagt Rihm lachend.

Aussehen darf jeder, wie er will – Zigaretten, Alkohol und tierische Besucher sind jedoch tabu im Studio. Chris Rihm und seine drei Tätowierer achten auf Hygiene. „Unser Standard liegt weit über dem, was vorgeschrieben ist“, erklärt der Piercer. „Wir haben einen Hygieneplan, ein Hygieneprotokoll.“ Darin müsse jeder die W-Fragen beantworten: Wer hat wann was und womit gereinigt.

Nun. Hygiene ist die eine Seite der Arbeit. Die andere Seite ist es, die Körper seiner Kunden mit Bildern, Ringen und Steckern zu verzieren. Das Tätowieren überlässt er meist seinen Kollegen. Er selbst hat sich aufs Piercen spezialisiert.

Das passiert hinter einer geschlossenen Tür. Der Raum dahinter erinnert stark an eine Arztpraxis. In der Mitte steht ein weißer Stuhl, einem Zahnarztstuhl ähnlich. Schubladenschränkchen mit medizinischem Inhalt, Unterschränke mit blanker Metall-Arbeitsfläche. Hier werden also Lippen, Augenbrauen, Ohren durchstochen, und andere Körperteile, auch die intimsten. Ohne Betäubung. Das hat zwei Gründe. „Ich bin überzeugt, dass der Schmerz einfach dazu gehört“, sagt der Piercer. Zweitens dürfe er keine Spritzen verabreichen, Betäubungssalben aber seien nicht wirklich hilfreich.

Die meisten Menschen, die zu Rihm und seinen Kollegen kommen, sind aufgeregt. Zwischen Piercer und Kunden gebe es eine ganz besondere Verbindung, die viel mit Vertrauen zu tun habe, erklärt Rihm. Das Schöne an seinem Beruf sei, dass er so viele unterschiedliche Menschen kennenlerne.

Piercing sei mittlerweile gesellschaftlich akzeptiert. Kunden aus allen Altersklassen, aus allen Schichten tragen den Körperschmuck. Er selbst hat sich vom Metall im Gesicht verabschiedet, aus sportlichen Gründen. Beim Wing Tsun, einer asiatischen Kampfsportart, würden Piercings stören. Die Tätowierungen aber, die bleiben für immer.

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